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Firmengründung in Bulgarien: Der Leitfaden für Auswanderer

Immer mehr Unternehmerinnen und Unternehmer aus Deutschland, Österreich und anderen Ländern verlegen ihren Lebensmittelpunkt nach Bulgarien — und gründen hier ihre Firma. Die Gründe sind handfest: die niedrigsten Steuersätze der Europäischen Union, eine Firmengründung, die in Tagen statt Wochen erledigt ist, seit dem 1. Januar 2026 der Euro als Landeswährung und Lebenshaltungskosten deutlich unter westeuropäischem Niveau. Dieser Leitfaden führt durch den gesamten Weg — vom Entschluss über den Aufenthalt bis zur laufenden Buchhaltung — und zwar so, wie er rechtlich sauber funktioniert: als echter Umzug.

Warum Bulgarien: die Steuern in Zahlen

Bulgarien besteuert einfach und flach — ohne Progressionsstufen, ohne Sondertarife:

  • Körperschaftsteuer: 10 % auf den Unternehmensgewinn — einer der niedrigsten Sätze der EU.
  • Quellensteuer auf Dividenden: 5 %, wenn die Gesellschaft Gewinne an Sie ausschüttet.
  • Einkommensteuer: pauschal 10 % auf persönliche Einkünfte, etwa Ihr Geschäftsführergehalt.
  • Mehrwertsteuer: 20 % Regelsatz (ermäßigt 9 % für bestimmte Kategorien); die Registrierungspflicht beginnt erst bei einem steuerbaren Umsatz von 51.130 Euro im Kalenderjahr.

Ein Rechenbeispiel: Von 100.000 Euro Gewinn zahlt Ihre bulgarische Gesellschaft 10.000 Euro Körperschaftsteuer. Schütten Sie die verbleibenden 90.000 Euro als Dividende aus, fallen weitere 4.500 Euro an. Die Gesamtbelastung: 14,5 %. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die kombinierte Belastung aus Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer und Kapitalertragsteuer typischerweise bei deutlich über 40 %.

Das Prinzip: Der Umzug ist Teil des Plans

Ein Punkt vorweg, weil er über alles andere entscheidet: Diese Steuersätze gelten für Menschen, die tatsächlich in Bulgarien leben und ihr Unternehmen von hier führen. Wer in Deutschland wohnen bleibt und lediglich eine bulgarische Gesellschaft eintragen lässt, gewinnt nichts — nach deutschem Steuerrecht bleibt eine Gesellschaft, deren Geschäftsleitung faktisch in Deutschland sitzt, dort steuerpflichtig, und das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Bulgarien regelt genau solche Fälle.

Der seriöse Weg ist deshalb der vollständige: Sie verlegen Ihren Lebensmittelpunkt nach Bulgarien, melden hier Ihren Aufenthalt an, führen Ihre Firma von hier und werden mit der Zeit bulgarisch steueransässig. Das ist kein Schlupfloch, sondern gelebte EU-Niederlassungsfreiheit — und es ist der einzige Weg, der einer Betriebsprüfung standhält. Sprechen Sie vor dem Wegzug auch mit einem Steuerberater in Ihrem Herkunftsland, insbesondere zu Themen wie der deutschen Wegzugsbesteuerung bei bestehenden Beteiligungen.

Schritt 1: Aufenthalt anmelden

Als EU-Bürger brauchen Sie weder Visum noch Arbeitserlaubnis. Für einen Aufenthalt über drei Monate beantragen Sie eine Anmeldebescheinigung bei der Migrationsbehörde Ihres Wohnorts; dabei erhalten Sie auch Ihre bulgarische Personennummer, die Sie für Steuer- und Versicherungszwecke benötigen. Staatsangehörige von Nicht-EU-Ländern durchlaufen zusätzliche Schritte für Aufenthaltstitel — die Firmengründung selbst steht ihnen ebenso offen.

Praktisch heißt das: ein Mietvertrag oder Immobilienkauf als nachweisbare Adresse, die Anmeldung, und von da an baut alles Weitere darauf auf.

Schritt 2: Die Firma gründen — meist eine EOOD

Die mit Abstand beliebteste Rechtsform für Einzelgründer ist die EOOD, die bulgarische Ein-Personen-GmbH:

  • Mindestkapital: 1 Euro.
  • Haftung beschränkt auf das Gesellschaftsvermögen — Ihr Privatvermögen bleibt geschützt.
  • Gründung über notarielle Beglaubigung und Eintragung ins Handelsregister; mit vollständigen Unterlagen ist die Registrierung typischerweise in wenigen Tagen bis etwa einer Woche abgeschlossen.
  • Dazu gehören ein Firmensitz in Bulgarien, die Satzung und ein Bankkonto für die Kapitaleinzahlung.

Die Einzelheiten — Ablauf, Unterlagen, Bankkonto — haben wir in zwei eigenen Beiträgen beschrieben: dem Leitfaden zur Registrierung einer bulgarischen EOOD und der Übersicht der erforderlichen Dokumente für die Firmenregistrierung.

Schritt 3: Steuern und Sozialversicherung im Alltag

Nach der Gründung übernimmt die Routine — und die ist überschaubar, wenn sie von Anfang an richtig aufgesetzt ist:

  • Körperschaftsteuer: Jahreserklärung und Zahlung bis zum 30. Juni des Folgejahres; oberhalb einer Umsatzschwelle zusätzlich Vorauszahlungen während des Jahres.
  • Mehrwertsteuer: Nach der Registrierung monatliche Erklärungen bis zum 14. des Folgemonats — Quartalsmeldungen gibt es in Bulgarien nicht.
  • Gehälter: Lohnsteuer (pauschal 10 %) und Sozialversicherungsbeiträge werden monatlich bis zum 25. des Folgemonats abgeführt.
  • Sozialversicherung für Sie selbst: Als geschäftsführender Gesellschafter versichern Sie sich in der Regel selbst; die Beiträge bemessen sich an einer gewählten Grundlage zwischen dem gesetzlichen Mindest- und Höchstbetrag. Damit sind Kranken- und Rentenversicherung im bulgarischen System abgedeckt.

Was Unternehmen in Bulgarien im Einzelnen an Steuern zahlen, haben wir in Steuerpflichten für Unternehmen in Bulgarien zusammengefasst.

Schritt 4: Ankommen — Konto, Euro, Alltag

Seit dem 1. Januar 2026 ist der Euro die Währung Bulgariens — Währungsrisiko und Umrechnung zwischen Ihrem alten und neuen Leben entfallen damit vollständig. Ein Geschäftskonto eröffnen Sie bei einer bulgarischen Bank im Zuge der Gründung; viele Banken bieten englischsprachiges Online-Banking. Varna und Sofia haben wachsende internationale Communities, und im Alltag kommt man mit Englisch weit — für Behörden, Verträge und Buchhaltung brauchen Sie jedoch verlässliche Partner vor Ort.

Wie wir helfen

Consultax begleitet seit Jahren Gründerinnen und Gründer aus dem Ausland — von der ersten Beratung über die EOOD-Gründung bis zur laufenden Buchhaltung, Lohnabrechnung und den jährlichen Abschlüssen, auf Deutsch und Englisch. Was das im Einzelnen umfasst, steht auf Deutschsprachiger Steuerberater in Bulgarien. Wenn Sie den Schritt nach Bulgarien planen, sprechen Sie mit uns — wir sagen Ihnen ehrlich, was der Umzug steuerlich bringt, was er voraussetzt und wie der Zeitplan aussieht.

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